Einer dieser Tage

Ich weiß, ich weiß, ihr fühlt euch wahrscheinlich betrogen. In der Beschreibung für meinen Teil des Blogs steht, dass ich Positivität verbreiten möchte. Aber manchmal gibt es Zeiten, da muss man Dampf ablassen. Und zwar auch mehrere Blogeinträge hintereinander. Und ich finde es eigentlich schön, die guten und die schweren Zeiten zu zeigen und zu erklären, denn die Kultur, dass wir uns im Internet immer nur glücklich, fröhlich und perfekt zeigen, finde ich, offen gesagt, wirklich zum Kotzen.

Und die Fliege, die sich während der gesamten Zeit in der ich diesen Blog schreibe immer wieder auf meine Finger setzt, gibt meiner Laune wirklich gerade den letzten Rest.

Vor kurzem war wieder einer dieser Tage: Ich stehe morgens, mit Muskelkater vom Mutter-Kind Sport vom Vortag auf, will laufen gehen und es regnet. Ich überlege mir also ein schnelles Workout über Youtube zu machen, denn meine Waage zeigt an diesem Morgen mal wieder nicht das gewünschte Gewicht an. Nachdem ich mich ungefähr eine Stunde durch verschiedene Workouts geklickt habe, gebe ich auf, denn die Workouts sind entweder unpassend, zu schwierig oder zu langweilig. Von wegen mit dem Internet geht alles schneller und einfacher. Oh nein. Zumindest habe ich überall den Anfang mitgemacht, ich entscheide mich dazu, dass das für heute reichen muss. Als nächstes nehme ich mir meine große Kleidungsbestellung vor. Ich brauche Bikinis und Schuhe. Wie ihr euch denken könnt, sitzt nichts richtig, alles ist zu klein, zu groß oder sieht einfach dämlich aus. Ich schicke das gesamte Paket zurück ohne auch nur ein Teil zu behalten. Was für ein Erfolg. Als ich die Sachen ins Paket schmeiße renne ich voll mit dem dicken Zeh dagegen. Der dicke Zeh der seit meiner letzten Pediküre, keine Ahnung wieso, entzündet und geschwollen ist. Es tut so weh, dass ich laut aufheule. Und das passiert mir in letzter Zeit öfter. Wenigstens ist der Anblick für einen in dieser Familie lustig: Mein drei Monate alter Sohn japst jedes Mal vor Freude, wenn ich diese Geräusche von mir gebe oder fluche. Na wenigstens etwas.

Da die Nacht nicht besonders erholsam war, lege ich mich Mittags nochmal gemeinsam mit meinem Baby hin. Doch ich kann nicht einschlafen, meine Gedanken kreisen um die Lebenskrise, die mich seit einer Woche verfolgt. Dabei geht es um vieles, allem voran dem Umstand, dass mir die Decke auf den Kopf fällt und ich lieber heute als morgen ins Büro gehen und arbeiten würde. Natürlich mit meinen Sohn. Was selbstverständlich nicht möglich ist. Ich hatte es mir schon gedacht, bevor wir uns entschieden haben Kinder zu bekommen, dass ich vermutlich nach 6 Monaten flehend zu meinem Arbeitgeber zurück gehen werde. Weil ich die Struktur brauche, an einem festen Tag irgendwo zu sein, Verantwortung zu übernehmen und gebraucht zu werden. Natürlich werde ich zuhause auch gebraucht, von meinem kleinen süßen Sohnemann, der gerade neben mir aufwacht und putzmunter und ausgeschlafen seine Mama verliebt anlächelt. Das ist unbezahlbar. Aber an manchen Tageh hat man als Mama in Elternzeit doch einfach das Gefühl, man hat nichts geschafft, außer einer halbwegs aufgeräumten Wohnung, die gefühlt nach 3 Stunden wieder aussieht wie vorher. Als würde man sich in einem kleinen Hamsterrad bewegen. Und könnte nichts da draußen bewegen. Ich bewundere Mütter, die in der Mutterrolle so aufgehen, dass sie sich nichts anderes wünschen und vollkommen davon ausgefüllt werden. Ich liebe meinen Sohn, aber brauche die anderen Rollen in meinem Leben genauso. Sie rücken neben der Mutterrolle natürlich in den Hintergrund, aber ich wünsche mir, dass sie immer noch dableiben. Sowie ich diese Gedanken vor mich hindenke, merke ich, dass ich also nicht geschlafen habe, der Kleine schon wieder wach ist und ich genauso müde weitermache wie vorher. Das Einzige was mich an diesem Tag noch aufmuntern kann, ist, am Abend endlich mit dem Babyalbum anzufangen, dass ich schon die ganze Zeit vor mich herschiebe. Die Bilder anzuschauen und zu staunen, wie ein Kind in drei Monaten nur so wachsen und sich verändern kann, ist fast so schön, wie jeden Tag in sein lächelndes Gesicht schauen zu dürfen. Es gibt einfach Tage, denke ich mir, die gehören aus dem Kalender gestrichen. Zum Glück erinnert man sich nachher nur noch an die schönen Momente. Während ich das denke, klebe ich lächelnd ein Foto von Babys erstem Bad ein.

Liebe Grüße

eure Marley

Du magst vielleicht auch