Behördengänge nach der Geburt

Hallo ihr Lieben, heute gibt es, wie versprochen, einige praktische Tipps zum Thema Behördengänge nach der Geburt. Denn, ja es tut weh, aber auch das muss gemacht werden und es ist einiges mehr als man denkt. Wer in seinem Leben schon einmal Bafög, Wohngeld etc. beantragt hat, der kann sich ungefähr vorstellen, was da auf einen zukommt.

Grundsätzlich ist allerdings zu sagen, dass ich natürlich nur aus dem Gesichtspunkt sprechen kann, wenn man als verheiratetes Paar mit Kind im Angestelltenverhältnis beziehungsweise als Student diese Dinge beantragt. Ist man selbstständig oder mit seinem Partner nicht verheiratet werden wahrscheinlich die Dokumente variieren, die man in der jeweiligen Behörde abgeben muss, was mich schon zu meinem ersten allgemeinen Tipp bringt.
Im Vorhinein zu den Behörden gehen und vor Ort erfragen, welche Dokumente benötigt werden. Ich bin ein Mensch, der am liebsten persönlich mit den entsprechenden Personen in Kontakt tritt, da dann von vornherein Missverständnisse vermieden werden und ihr nicht ewig Briefe miteinander hin und herschicken müsst, weil noch etwas fehlt oder ihr gar Dokumente herraussucht, kopiert und abgebt die gar nicht benötigt werden. Zusätzlich geben euch einige Sachbearbeiter Checklisten mit oder gar direkt die Formulare, die ihr ausfüllen müsst und ihr spart euch das Recherchieren im Internet. Keine Seite ist so genau wie die Frau oder der Mann, der euren Fall bearbeiten wird. Er/sie weiß genau was in eurem speziellen Fall benötigt wird. Das ist eine schöne Beschäftigung für den Mutterschutz, indem ihr noch ein bisschen Zeit für solche Vorbereitungen haben werdet. Wenn ihr in einer Stadt lebt, in der erfahrungsgemäß mit langen Wartezeit zu rechnen ist, ruft zumindest einmal vorher an. Wie gesagt, im Internet fehlen dann doch meistens die genauen Infos und die meisten Mitarbeiter helfen sehr gerne. Vor allem beim Elterngeld solltet ihr die Möglichkeit des persönlichen Gesprächs in Anspruch nehmen, da sie euch am besten dabei beraten können, wie man die Elterngeldmonate sinnvoll aufteilt.

Der zweite allgemeine Tipp lautet: Habt bei den Behördengängen immer Personalausweis, Bargeld und Kontokarte dabei. Heute wird das Meiste in den Behörden per Karte gezahlt, aber ich kann mich an Situationen erinnern, da musste ich Dokumente Bar bezahlen. Also lieber etwas dabei haben, als nochmal zum Automaten rennen müssen.

Der dritte Tipp, den ich euch mitgeben kann ist auf jeden Fall: Legt im vorhinein einen Ordner an und sucht alle Dokumente heraus und kopiert sie, die ihr schon da habt. Erstellt zusätzlich eine Checkliste für euch und euren Partner zum Abarbeiten. Denn wenn das Baby da ist, habt ihr auf jeden Fall andere Dinge im Kopf als irgendwelche Dokumente herauszusuchen oder gar euren Arbeitgeber zu kontaktieren, um Bescheinigungen von ihm zu erhalten. Also Vorbereitung ist hier echt alles. Ich habe nicht nur eine detaillierte Checkliste für meinen Mann erarbeitet, mit einer Reihenfolge, in der die Dinge zu erledigen sind und auch Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten, sondern auch einen Ordner erstellt und in einzelnen Klarsichthüllen die Dokumente gesammelt. Also je Hülle eine Behörde sozusagen. Außer den Geburtsbescheinigungen, die bei einigen Stellen im Original sein müssen, habe ich alles in Kopie dort abgeheftet, um nicht versehentlich ein Original abzugeben, was ich dann vielleicht nicht wieder bekomme. Wenn ihr persönlich hingeht und Kopiergeld sparen möchtet, kopieren sich das die meisten Behördern auch selber, aber ich fand es sicherer und es geht auch schneller, wenn die Kopien schon da sind.
Wenn ihr das alles soweit vorbereitet habt, und euer Partner oder auch ihr selbst nach der Geburt diese Erledigungen machen möchtet, kann ich euch auch hier nur nochmal ans Herz legen: Gebt die Unterlagen persönlich ab. So könnt ihr eventuell Sachen direkt erklären, Missverständnisse vermeiden und wisst sofort, wenn noch etwas fehlt und müsst nicht erst eine ganze Zeit auf den Brief dazu warten. Im Idealfall ist schon alles da was ihr benötigt und wird sofort bearbeitet. Schickt man einen Brief mit seinen Unterlagen, liegen diese eventuell auf einem riesen Stapel ganz unten und es dauert vielleicht noch länger, bis das Anliegen bearbeitet wird.

So, um das hier ein bisschen zu Struktieren, fasse ich noch einmal kurz die allgemeinen Tipps zusammen und sage dann noch etwas zu den einzelnen Behörden /Institutionen /Organisiationen.

Allgemeine Tipps & Tricks
1. Kontakt mit den Behördern möglichst persönlich vor Ort oder zumindest am Telefon, im Vorhinein zur Beratung und Vorbereitung und im Nachhinein zur schnellen Bearbeitung.
2. Immer ein Ausweisdokument, Bargeld und Kontokarte dabei haben.
3. Einen Ordner anlegen und alle Dokumente im Vorhinein in Kopie dort sammeln, die man hat.
4. Eine Checkliste anlegen, um in der richtigen Reihenfolge vorzugehen und nichts zu vergessen.

So und jetzt zu den einzelnen Erledigungen, denn die Reihefolge spielt hier auch eine große Rolle. Was wir im Einzelnen für Dokumente gebraucht haben, findet ihr als PDF im Anhang.

1. Standesamt – klar, das Baby muss erst einmal angemeldet werden, denn ihr könnt kein Kindergeld oder Elterngeld beantragen ohne die entsprechende Geburtsurkunde. Es gibt eine allgemeine Geburtsurkunde und dann welche mit speziellem Vermerk, wie Familienkasse, religiöse Zwecke oder Ähnliches. Diesen Punkt also unbedingt als Allererstes erledigen. Das müsst ihr übrigens in dem Standesamt der Stadt machen, wo euer Baby geboren wurde, nicht da wo ihr wohnt, falls das voneinander abweicht.

2. Einwohnermeldeamt – ich dachte erst, da müsste man noch einmal extra hin, aber das erledigt wohl das Standesamt, genauso wie Sozialversicherung, Rente und diese Dinge (ausgenommsen natürlich RiesterRente).

3. Krankenkasse – das würde ich sofort als nächstes machen, damit ihr eine Krankenversicherungskarte bekommt und außerdem die Bescheinigung zu eurem Mutterschaftsgeld, die ihr Wiederrum für den Antrag auf Elterngeld benötigt. Und da das ein paar Tage dauert, auf jeden Fall sofort nach dem Erhalt der Geburtsurkunde abschicken oder persönlich klären.

4. Elterngeld – ich würde einnal behaupten, dass ist so der größte Brocken, weil ihr dafür die meisten Dokumente benötigt. Hier könnt ihr auch schon viel vorbereiten, wie eure Gehaltsnachweise, Bescheinigung vom Arbeitgeber etc. Außerdem solltet ihr vor Antrag schon wissen, wie ihr euch die Elterngeldmonate aufteilen wollt, da ihr zu zweit insgesamt Anspruch auf 14 Monate habt, aber nur wenn der Partner mindestens zwei davon in Anspruch nimmt. Alleine sind es dann 12 Monate, wobei ihr als Angestellte im Mutterschutz die 8 Wochen nach der Geburt auf das Elterngeld angerechnet bekommt, demnach also im Prinzip nur 10 Monate Elterngeld bekommt und der Partner dann 2. Ihr könnt sie Monate natürlich auch beliebig anders aufteilen, also ihr macht 8 Monate und der Partner 6 oder Ähnliches. Des Weiteren besteht die Möglichkeit ElterngeldPlus zu beziehen, also die Hälfte des Elterngeldes für die doppelte Zeit. Weniger Geld, dafür über einen längeren Zeitraum. Unter Umständen gibt es auch noch die Möglichkeit des Partnerschaftsbonusses, aber ihr merkt schon an diesen paar Sätzen, dass es beim Elterngeld wirklich unzählige Möglichkeiten gibt und man ganz individuell schauen muss, was zu einem passt und was nicht. Hier gibt es online und in verschiedenen Stellen Broschüren zu, denn da muss man sich dann wirklich die Zeit nehmen und sich damit beschäftigen. Und wie gesagt, geht auch gerne einfach persönlich in der Schwangerschaft dort hin und lasst euch beraten. Für das Elterngeld ebenfalls wichtig ist, dass ihr mit eurem Arbeitgeber die Elternzeit besprochen und festgelegt habt, denn das möchte die Elterngeldstelle schon alles wissen.
Das klingt jetzt alles komplizierter als es im Endeffekt wirklich ist. Und in den Broschüren gibt es auch einige gute Beispiele, wie man die Elterngeldmonate, die sich übrigens nach den Lebensmonaten des Kindes berechnen, aufteilen kann. Und für Studierende, die Bafög beziehen ist wichtig zu wissen: Das Elterngeld ist bis 300 Euro anrechnungsfrei, alles darüber wird aufs Bafög angerechnet und für die Monate dementsprechend weniger Bafög gezahlt.

5. Kindergeld – im Gegensatz zum Elterngeld ist das hier um einiges einfacher, weil ihr nur ein zweiseitiges Formular und die entsprechende Geburtsurkunde braucht. Ihr bekommt dann auch recht schnell Rückmeldung. Das könnt ihr auch gleich zeitgleich mit dem Elterngeld machen beziehungsweise direkt nach Erhalt der Geburtsurkunde, aber da es im Gegensatz zur Krankenkasse und zum Elterngeld recht schnell geht würde ich es einfach zuletzt machen, wenn alles andere auf dem Weg beziehungsweise in Bearbeitung ist.

6. Sonstiges – So individuell wie jeder Mensch, so unterschiedlich sind die zusätzlichen Erledigungen, die außer den oben genannten Punkten noch anfallen. RiesterRente, Hausrats- und Haftpflichtversicherung und diese ganzen Dinge muss man durchgehen und schauen, ob da bezüglich des Kindes etwas getan oder gemeldet werden muss. Auch denkt man dann plötzlich über ein Testament nach und das geregelt sein sollte, falls, Gott bewahre, die Eltern sterben und von wem das Kind dann aufgezogen werden sollte. Ja, auch über solche Sachen macht man sich dann plötzlich Gedanken. Aber auch etwas weniger ernste Dinge wie ein Reisepass oder ein Sparbuch für das Kind müssen natürlich in Angriff genommen werden, falls gewünscht oder gebraucht. Habt ihr Erstausstattungsgeld von einem Verein bekommen, möchten auch diese eine Kopie der Geburtsbescheinigung erhalten, um den Vorgang bei sich abzuschließen. ich habe darüber schon einmal geschrieben, aber auch hier sei noch einmal erwähnt, dass es die Möglichkeit für Geringverdiener gibt, bei Vereinen wie der Caritas oder Donum Vitae auf Antrag etwas Geld für die Erstaustattung eures Baby zu bekommen. Allerdings muss das in der ersten Phase der Schwangerschaft beantragt werden. Außerdem sollte man als Student auch dem Bafögamt melden, dass man ein Kind bekommen hat, weil die Freibeträge für den Verdienst sich erhöhen und man einen Kinderzuschlag bekommt. Für die Zeit, in der man das Elterngeld bezieht, sollte man sich auch auf jeden Fall informieren, ob es noch andere Möglichkeiten der Bezuschussung gibt, wie beispielsweise Wohngeld. Denn ich finde schon, es ist ein relativ großer Einbruch, wenn man als Vollverdiener plötzlich „nur noch“ das Elterngeld zur Verfügung hat.

So ihr Lieben, dass war heute mal ein sehr langer Beitrag, aber ich hoffe er hilft euch ein kleines bisschen durch den Behörden- und Versicherungsdschungel. Wenn man da ein bisschen strukturiert rangeht und es als „Job“ für die Mutterschutzzeit betrachtet, dann bekommt man das schon alles hintereinander. Wichtig ist zu sagen, dass ihr nicht erwarten dürft irgendwo eine Checkliste zu finden, die alles abdeckt und euch alles sagt, was ihr braucht. Dazu sind die Lebenssituationen einfach zu unterschiedlich. Trotzdem werde ich euch die Checkliste als PDF anhängen, die ich für uns erstellt habe mit allen Infos, was wir für welches Amt benötigt haben. Die kann euch dann vielleicht ein bisschen zur groben Orientierung dienen.

Ich wünsche euch eine wunderbare Woche und drücke die Daumen bei eurer Abenteuerreise für den Behördendschungel nach Baby. Und für die Geburt natürlich auch. 😛

Hier unter diesem Link findet ihr die PDF:

Checkliste für Behördengänge nach Geburt

Liebe Grüße
eure Marley

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